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Thema heute: Haltbarkeit von Spielen

Wir haben letztens mal wieder ne Runde Rocket League gespielt und festgestellt dass es noch richtig viel Spaß macht. Was sich im Spiel geändert hat über die letzten 4 Jahre, keine Ahnung. Irgendwann haben wir dann darüber geschnackt das Spiele wie Battlefield und Call of Duty ja immer nur eine sehr kurze Haltbarkeit haben im Vergleich zu den ewig aktuellen Spielen wie eben Rocket League, League of Legends, Dota, Overwatch oder CS:GO. Thema heute: Kurze Haltbarkeit von Games, warum das so ist und ob das überhaupt so sein muss.

Bitte lest bis zum Ende, sonst werden die folgenden wirren Gedankengänge von mir keinen Sinn ergeben und ihr habt nur eure Zeit verschwendet.

Der Release-Zyklus

Das Offensichtlichste mal zuerst: Durch den jährlichen Release-Zyklus von Call of Duty ist eigentlich klar, dass man nach ein bzw. zwei Jahren (Wechsel von Black Ops und Modern Warfare) immer wieder ein neues Spiel anfangen muss. Sei es weil die Mitspieler zum neuen Titel wechseln wollen oder weil der letzte eh schon ne Weile eingemottet im virtuellen Regal liegt. Also kaufen wir ein neues Spiel für die neuen Inhalte und eben auch ein wenig durch den Gruppenzwang.

Nun gibt es aber einige Spiele die lange keine Fortsetzung released haben – Counter-Strike, Rocket League, Team Fortress, Rainbow Six Siege oder World of Warplanes um nur ein paar zu nennen – und wir spielen sie trotzdem. Das wir uns über neue Inhalte freuen trifft aber auch auf diese Spiele zu. So freut man sich auch bei einem CS:GO wenn mal wieder eine Operation (DLC) mit ein paar Maps und Aufgaben erscheint oder Overwatch einen neuen Charakter bekommt. Aber es muss halt nicht sein, man hat auch mit dem Basis-Content des Spiels seinen Spaß.

Und vielleicht wandern diese Spiele auch mal auf die Ersatzbank, weil die Mates gerade das neue Battlefield feiern oder vielleicht auch weil lange nichts passiert ist, also keine Updates oder Inhalte rausgekommen sind. Aber irgendwann wenn man genug vom Grind hat und alles gesehen hat, dann kehrt man zu seinem ehemaligen Lieblingsspiel zurück. Ein Grund dafür warum das immer geht, sind die einigermaßen stetige Spielerzahlen, da ja kein Nachfolger erscheint. CS:GO erreichte so letztens (sicherlich auch dank Corona) eine neue Rekordzahl gleichzeitig aktiver Spieler seit 2016.

Der Release-Zyklus kann also ein Spiel killen. Aber wenn ein Battlefield 1 nach zwei Jahren endlich perfekt ausgebaut wurde, gepatched und mit Inhalten vollgepackt ist, muss dann der Support eingestellt und das Spiel zum sterben zurückgelassen werden? Machen COD, Battlefield und Co. hier irgendetwas falsch?

World of Warplanes gibt es nun seit 2013, um nur ein Spiel zu nennen was besonders lange am Leben gehalten wurde – Source: Official Site

Casual vs. Competetive am Beispiel von COD:MW

Die eSport oder Competetive Modus existierte bei COD eigentlich nur am Rande, zumindest im Verhältnis zu seinen Spielerzahlen betrachtet. Nun hat Activision für COD eine eigene Liga gegründet. Dass dies vom Entwickler kommt ist sogar eine Besonderheit. So sind bei CS:GO und Dota beispielsweise immer große Unternehmen hinter den aktiven Ligen, wie die ESL (European Sports League), ELEAGUE (USA) oder Faceit (weltweit). Diese Anbieter pflegen seit ewigen Zeiten ihre Seiten, Regelwerke und sonstige Angebote, unabhängig vom Publisher. Die COD League wurde erst 2020 mit dem neuesten Modern Warfare Teil gegründet, daher kann man hier noch nicht so richtig erahnen wo es damit hingeht. Aber schauen wir uns das mal genauer an.

Wenn sich die COD League etabliert, dann kann Activision auch entscheiden welcher Teil gerade gespielt wird und dann ist klar dass immer der aktuelle Titel unterstützt wird. Schon der Name ist hier schlau, da man über die Google Suche nach „COD Liga“ immer bei der COD League landet. Also kann man fest damit rechnen das trotz eines funktionierenden eSport-Bereichs COD:MW nicht ewig bestand haben wird. Dabei ist beim aktuellen Modern Warfare nahezu alles perfekt: viele Inhalte, (unendlich) viele Waffenkombinationen, regelmäßig neue Maps. Und der Liga-Modus der COD League ist zum selber ausprobieren direkt im Spiel integriert.

Die Regeln sind denkbar einfach: alle haben die gleichen Waffen und generell wird das Spiel auf seine Kernwerte runtergebrochen. Es braucht eigentlich gar nicht so viel für den eSport-Modus. Und eigentlich sind wir damit ja nun an dem Punkt wo kein neuer Teil mehr erscheinen müsste – zumindest für den kompetetiven Bereich. Und der ist bei COD nun mal verhältnismäßig eine Randerscheinung. An dieser Stelle ziehe ich mal die Trennlinie.

Die Call of Duty League. COD:MW (2019) vereint Casual und eSport in einem Spiel

Der Casual Gamer das ist ein oft genutzter Begriff für Call of Duty Spieler und stellt den Durchschnitt dar. Er braucht regelmäßige Updates, Sachen zum Freispielen, Level-Systeme und einen regelmäßigen Battlepass. Da ist Call of Duty Modern Warfare das perfekte Beispiel: Neben dem Singleplayer, COOP und Battle Royale-Modus bietet der Multiplayer dermaßen viel. Es gibt erstmal die 8 basis Gamemodes. Dann jede Woche wechselnde Playlisten. Pro Rang gibt es eine Aufgabe freizuspielen („mache 300 Kills ohne Attachements„). Es gibt Daily- und Weekly-Challenges. Den Battlepass, Missionen die man mit jeweils 4 bis 8 Unteraufgaben meistern muss uuuuuund so weiter. Aber trotz dieser unschlagbaren Masse an Inhalten meinte Lukas letztens zu mir „Man sucht sich ja etwas um sich bei Laune zu halten“, als er gerade beschlossen hat alle Waffen freizuspielen (oder so). Lange rede kurzer Sinn: Das reine Spiel ohne die Sucht-Versorgung reicht dem Casual Gamer also nicht.

Im Vergleich dazu schauen wir noch mal rüber zu Counter-Strike. Dort passiert mittlerweile so wenig, weil das Spiel einfach in einem guten Zustand ist. Beim Fußball gibt es ja auch keine ständigen Updates wie Custom Tore und bunte Bälle (Rocket League). Sondern es geht um den Wettkampf und den Spaß am Spiel. Und man kann auch einfach nur mit Freunden auf der Wiese bolzen gehen, wie man auch bei CS nichts zum Freispielen braucht sondern einfach nur seine abendlichen Runden spielt. Na ja, fast. Gegen eine Operation mit neuen Maps hat grundsätzlich niemand was.

So habe ich mich persönlich schon so einige Male bei einer Runde Call of Duty TDM gefragt: Wozu spiele ich das hier gerade? Ob wir nun gewinnen oder nicht, das interessiert hier doch eigentlich niemanden. Oder Domination auf Shipment, einer besonders kleinen Map bei COD:MW bei der man eigentlich am laufenden Band gefickt wird. Warum? Es gibt auch mal nette und spannende Partien, aber ich habe mich gerade bei COD in letzter Zeit zu häufig dabei erwischt, wie ich einfach nur gegrindet habe und habe dabei gemerkt: dafür hab ich nicht die Zeit und das macht mir eigentlich gar keinen Spaß. Eine siegesorientierte Runde Gunfight (2on2, 3on3) dagegen, vor allem gegen Freunde, bockt immer.

Gott, wo wollte ich mit dem Punkt Casual vs. Competetiv hin … Ach ja! Casual-Spiele brauchen also immer wieder neue Inhalte und Aktionen um den Spieler bei Laune zu halten. Lange bestehenden eSport-Titeln dagegen, reicht es fast einfach nur da zu sein, das reine Spiel genügt damit die Fans dabei bleiben.

Verschwörungstheorie: Erwartungshaltung antrainiert

Jetzt haben wir ein perfektes COD und ich will eigentlich nie wieder ein neues. Wofür auch? Das Spiel läuft super, die Waffen sind vielfältiger als sie es je sein werden und es gibt regelmäßig neue Inhalte. HA. Ja auch ich erwarte dass ich immer wieder etwas neues vorgelegt bekomme. Da gibt es dann den Dauerspieler der während Corona nach einer Woche auf Level 155 (letztes Level pro Season) ist und dann mich, der gar nicht hinterherkommt und die neue Knifte aus der letzten Season noch nicht ausprobiert hat. Trotzdem erwarte ich neue Maps und Updates für die Warzone. Und das war bei allen zuletzt gespielten Casual Spielen so.

Können wir vielleicht nicht mehr mit einem Spiel zufrieden sein, einfach nur weil wir es gewohnt sind neue Inhalte zu bekommen? Updates waren früher für Bug-Fixes, Anpassung von Features usw., heute muss ein Update vor Allem Inhalte bringen. Eben ein Game as a Service. Und stellt der Entwickler irgendwann den Support für das Spiel ein (Battlefield V), dann ist es quasi begraben. Aber eigentlich müssten wir dann ein perfektes Spiel (nicht Battlefield V) haben was man hin und wieder daddeln kann. Aber ich habe kein BF1 oder Black Ops auf der Platte. Warum auch, gibt ja den nächsten Teil. So würde es also nicht reichen einfach nur keine neuen Nachfolger zu bringen. Die Spiele sind zum Sterben verurteilt.

Ich weiß, ich überdramatisiere hier gerade ein wenig. Auf LAN-Partys werden die Klassiker ja schon mal wieder ausgepackt oder? Ja das stimmt. Aber auch eher die wirklichen Klassiker und nicht die aktuellen Vorgänger der meisten Spiele. Und überkommt es einen dann doch mal und so ist es mir letztens mit Battlefield 1 ergangen, dann steht man leider zu oft vor leeren Servern.

Neue Skins wie es sie bei Apex Legends zu Hauf gibt halten die Spieler heute bei Laune. Früher konnte man sein Outfit beliebig ändern und es war eher nebensächlich.

Unterschiedliche Spielertypen

Ich denke auch hier scheiden sich die Geister: Der eine ist zufrieden mit seiner regelmäßigen Runde PUBG und Schnacken im Discord. Vielleicht spielt man auch einfach nur Counter-Strike, möchte immer etwas besser werden und es reicht einem täglich auf der gleichen Map (de_dust2) zu spielen, weil man kennt sie halt. Dann gibt es die anderen Spieler, welche mehr nach Unterhaltung streben. Da muss vielleicht die Grafik stimmen, wo alles auf dem Stand der Dinge ist. Da müssen regelmäßig neue Inhalte kommen. Der Sieg einer Runde steht nicht mehr so im Vordergrund, aber der freigespielte Schalldämpfer für die UMP ist endlich erreicht.

Bei Call of Duty verschwimmen diese Grenzen gerade ein wenig. Zum einen weil man sich über erreichte persönliche Ziele freuen kann und ohen Ende Sachen freispielt. Zum Anderen gibt es die internen kompetetiven Modi wie Gungame (2on2), das Tournament (Beta) und den integrierten eSport-Modus. Für mich wird es interessant wie lange sich Call of Duty hält. Sollte auch dieses super Spiel wieder verschlissen werden und in den unendlichen Weiten meiner Spielebibliothek verschwinden, dann sollte ich mir ernsthaft Gedanken machen wieso ich das eigentlich gespielt habe. Klar, Unterhaltung und mit Freunden spielen. Aber für das eine gibt es Singleplayer Spiele und das andere die viel spannenderen eSport Spiele. Also Eines wird künftig kein Grund mehr für mich sein ein neues Spiel zu grinden:

Motivator und Suchtgefahr: Skins

Viel zu viel. Haben haben haben. Im schlimmsten Fall hat man noch Echtgeld für die coole Waffe mit Hörnern ausgegeben. Und am Ende deinstallieren. Klassisch Konsumgesellschaft eben.

Spielen wir vielleicht nur noch Casual Multiplayer Spiele weil wir süchtig werden? Vielleicht gar nicht nach dem Skin, vielleicht ja auch nach dem Adrenalinrausch wenn wir irgendwas tolles nach 5 Stunden Grind freigespielt haben? Ist das dann schon Sucht? Macht das überhaupt noch Spaß? Die Frage nach dem Spaß habe ich ja vorher schon mal (Shipment) angezweifelt. Aber zusammen mit dem Thema Suchtverhalten wirkt das Ganze doch recht verrückt.

Wir werden für unsere Leistungen (und seien sie noch so schlecht und durch reinen Zeitaufwand erreicht) ständig belohnt. Levelaufstieg hier, Aufgabe erledigt da. Das ist auch das scheiß System hinter Mobile Games mit ingame-Käufen. Oder der Einarmige Bandit in der Spielothek. Die letzteren beiden haben aber einen schlechten Ruf und werden von uns als regelmäßige Spieler eher nicht angefasst. Bei COD müsste ich also bestimmte Modi ausblenden und mich auf den guten Kern konzentrieren.

Fazit

Irgendwie ist mir erst beim Schreiben bewusst worum es mir hier eigentlich geht. Nämlich nicht darum wieder ein neues Spiel kaufen zu müssen, Freunde zu verlieren weil sie nicht mitziehen (RIP bobby) oder das eSport Spiele geiler sind als Casual Games. Nee, ich bin einfach gespannt darauf wie es mit Call of Duty weitergeht und würde mir wünschen das dies nach all den Updates der letzte COD Teil sein wird. Ein perfektes Call of Duty, welches für die gelegentlichen Casual Runden herhält. Nicht schon wieder ein neues Spiel in das man sich einarbeiten muss. Schließlich gibt es da ja noch Apex, CS:GO, Rocket League, PUBG, SWBFII und noch eine Stange Singleplayer-Spiele die auf mich warten … Um genau zu sein müsste es einfach der letzte Call of Duty Multiplayer-Teil sein. Singleplayer-Ausgaben können dann so viele erscheinen wie sie wollen, dann haben sie ja auch viel mehr Zeit sich auf eine gute Story zu konzentrieren.

Zukunft von Call of Duty

Also noch mal zwei Worte zu COD. Anfang Mai wurden ein paar Infos von den Entwicklern rausgegeben. So wird Warzone aktuell von einem eigenem Team Entwickelt (Raven Software), was schonmal dafür spricht das sich dort noch so Einiges tun wird. Wir erinnern uns, bei BFV:Firestorm war das mit Creterion Games auch so, aber die wurden nach dem Release abgezogen. Jeden Falls sollen Änderungen an der Map kommen, weiterhin wechselnde Modi, neue Inhalte und und und. Da hat COD ja viel zu bieten.

Aber jetzt wird es interessant: Taylor Kurosaki (Director bei Infinity) hat gesagt, dass Warzone alle Untermarken von Call of Duty verbinden soll. Also die Spiele von Black Ops und Modern Warfare. Das spricht dafür das Warzone länger bestehen wird, trotz jährlichen Release-Zyklus. Ein weiteres Argument für längere Haltbarkeit, ist dass es der erste Free2Play Teil der Reihe ist, vollkommen durch die Decke gegagen ist (1. Woche 60 Mio Spieler), für die neuen Konsolen erscheinen wird und man sicher nicht schon wieder einen Battle Royale Modus entwickeln möchte, da sie auch gesagt haben, dass sie Warzone wie ein eigenes Spiel, also den Royale-Ableger der Reihe, behandeln. Was dann am Ende vom Rest des Spiels übrig ist, bleibt da aber offen.

Also am geilsten wären ein Call of Duty Multiplayer oder ein Battlefield Multplayer (an BF2, BF3 und BF4 angelehnt), welche lange keine Nachfolger erhalten sondern immer weiter ausgebaut werden. Im Spiel integrierte Ligen z.B. gibt es bis heute nur selten (Rocket League). Als Ableger bringt man dann ein Battlefield: Vietnam oder COD WWII, aber eben als keine vollwertigen Spiele. Technisch sollten wir mit dem Multiplayer ja wohl auch erstmal 10 Jahre hinkommen, bis eben die Singleplayer zu gut werden. Oder ist die Grafik nach 4 Jahren schon zu schlecht? Oder entscheidet der Wettkampf mit der Konkurrenz im Casual-Bereich den Release-Zyklus? Gott, ich kann nicht mehr. Genug Stoff zum Nachdenken. Bis denn zum nächsten Mal, wohlmöglich wenn ein neues Call of Duty Ende diesen Jahres erscheint und ich mich höllisch aufregen werde …

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