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COD MW Singleplayer: Ist das noch vertretbar?

Kunst und Medien können unterhalten und Spaß machen. Sie können aber auch aufklären, über aktuelle Geschehenisse in der Welt und auch über Geschehnisse die hinter verschlossenen Türen passieren. So sieht man Dinge in Wort oder Bild, die einen schockieren können. Dinge, über die man danach das Bedürfnis hat zu sprechen.

Eines der Themenbereiche war und ist der Krieg. So tobt er schon lange im Nahen Osten und jeder hat von Enthauptungen gehört oder sogar gesehen. Eben den Taten von Terroristen oder anderen Extremisten. Dass die andere Seite – z.B. der eiskalte Dronenkrieg der USA – nicht weniger grausam ist, dass wissen schon weniger Leute. Wenn man richtig sucht um solch schreckliche Bilder zu sehen, dann wird man fündig. Oder man spielt einfach eine Runde Call of Duty.

Um genauer zu sein, den Singleplayer der 2019 erschienenen Neuauflage von Call of Duty Modern Warfare. Und der hat es in sich. So kommen wir direkt im ersten Kapitel mit dem illegalen Giftgas in Berührung, welches das Hauptthema dieser Geschichte wird. Im nächsten Abschnitt verschiebt sich das Kriegsgebiet auf den Times Square, mitten in London. Dort sterben Frauen, Männer, Kinder, ganz egal. Die Terroristen zerlegen was ihnen vor die Nase läuft. Ach und habe ich schon erwähnt wie gut die Grafik in dem neusten COD-Teil geworden ist?

Im späteren Verlauf der Kampagne setzen die Erzähler aber noch eine Schippe oben drauf. Wir, in dieser Sequenz ein etwa 10 Jahre altes Mädchen, wachen unter Trümmerhaufen nach einem Bombenangriff auf und fliehen vor den Invasoren. Zwischen druch findet uns unser Vater, welcher kurz danach vor unseren Augen einen Kampf mit einem Soldaten verliert und nach einer kleinen Rede vor seinen noch lebenden zwei Kindern stirbt. Die Mutter und der andere Bruder lagen vorher unter den Trümmern tot neben uns.

Es heißt Abschied nehmen

Die Invasoren – in diesem Fall Russen – sind gnadenlos und aggressiv dargestellt. Aber den sonst typischen Charakter als „trotteliger Kugelfänger“ verlieren sie gerade in solch einer Szene und werden in den Augen des Spielers zu schlechten Menschen an denen man sich nur noch rächen möchte. Ach noch mal wegen der Debatte das schon wieder die Russen die Bösen sind: In diesem Szenario sind sie es wieder, ja wie so oft in amerikanischen Spielen. Man hätte aber genauso mit den Amerikanern in solch einer Sequenz als „Gegner“ rechnen können wenn es um ein Kriegsgebiet im Nahen Osten geht. Nun, aber hier sind wir halt wieder selber Amis, die „Guten“ eben.

Noch mal zurück zum Thema. Der Unterschied zu einem Newsartikel oder einem Bild ist bei einem Computerspiel folgender: Wir sind Teil der Geschichte. Wir schlüpfen in die Rolle eines Avatars und sind in diesem Moment ein Teil dieses Grauens das gerade vor uns abläuft. Das macht es besonders extrem.
Nach extremen Abschnitten holt einen das Spiel dann auch immer wieder zurück mit Schießpassagen – spieltypisch wieder schön stumpf und ohne viele Gefühle. Und das Ganze spielt zwar teilweise an realen Schauplätzen, mit Urzikstan ist der Aufenthalt im vermeintlich Nahen Osten aber fiktiv.

Darf ich vorstellen, das sind wir, SAS Sergeant Kyle Garric

Was aber trotzdem nicht ohne ist: in einer späteren Szene kommen wir etwas tiefer unter die Oberfläche der „guten Seite“. Erst begleiten wir Frau und Kind einer Geisel zum „Verhör“, dann bekommen wir vor deren Augen die Wahl zu schießen. Nebenher schreien und weinen die beiden. Das ist in einem Film hart und man fühlt mit. Hier kann man aber nicht nur beobachten. Hier wird man Teil der Handlung. Diese Szene gab es sicherlich schon öfter, aber bei COD:MW wirkt sie noch mal eine ganze Spur realer, durch die aufwendige Inszenierung.

Wir spielen übrigens abwechselnd als CIA SAC officer “Alex” in Urzikstan und SAS Sergean Kyle Garric, welcher in London startet. Später kommen alle zusammen.

Mitkommen bitte.

Warum schreibe ich den Artikel? Ich hab das Spiel gestern durchgespielt und einige meinten der Singleplayer-Part von COD war echt gut. Echt krass. Und ja, das möchte ich hier auch noch mal festhalten. Die Story hat es echt in sich, bringt einen aber auch an die Grenzen des ertragbaren. Zu nah an der Realität ist es und mit der Grafik bekommt das alles noch eine gehörige Portion Realismus dazu.

Mehr wollte ich jetzt gar nicht sagen. Nur mal so anstoßen und Stoff geben für die nächste Diskussion am Zocker-Stammtisch. Mir bleibt das Spiel anders als die letzten Teile in Erinnerung, da bin ich mir sicher. Aber nicht nur als sehr gute Story, grafisch und technisch, sondern auch als ziemlich schockierend. Wenn ihr, anders als ich, einfach zack zack durch alle Level gesprintet seid, dass würde mich überraschen. Ich glaube jeder bleibt hier an der einen oder anderen Stelle hängen und muss erstmal schlucken.

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